Thema: Ein Bestseller!

Forum: EVE Online

Autor: Butch


Butch - 19/10/2004 um 19:16

Angeregt durch Bumbles literarische Ergüsse scheint mich ein Virus infiziert zu haben, der mich dazu gezwungen hat, heut nachmittag eine kleine Story aus dem Ärmel zu schütteln. Ich poste das, auch wenn ihr mich dann in Reich-Ranitzky Manier vernichtet :D



Patroullienflug A/6-Epsilon



Die frühen Morgenstunden waren jedes Mal eine Qual, vor allem wenn wieder einmal Routine angesagt war. Butch Cassidy blickte gelangweilt auf die Statusanzeigen der Schiffstelemetrie – alle Systeme arbeiteten korrekt, wie immer. Die Rezeptoren der Computer vermittelten ihm ein direktes Bild jedes Schiffsmoduls und projizierten graphische Darstellungen von allen relevanten Daten direkt in das Gehirn. So war es ihm möglich in nahezu Lichtgeschwindigkeit über die Nervenleiterbahnen Steuerimpulse an das Schiff weiterzugeben ohne auch nur einen Finger zu rühren.
Das war auch notwendig, denn in seiner mit Pneumo-Gel gefüllten Kapsel war jede Bewegung ein Ding der Unmöglichkeit. Manchmal vermisste er die Behaglichkeit seines Kapitänsstuhls auf der kleinen Brücke seiner alten Imicus, die vor langer Zeit in einer grellen Explosion zerstört wurde. Eine Tasse heißen Kaffee in der Hand, in den Asteroidengürteln von Luminaire. Tagein tagaus hatte er Erze abgebaut und so einen bescheidenen Erfolg erzielt, der sich durch die Anschaffung immer besserer Schiffe ausdrückte. Es schien ihm, als seien Jahrzehnte vergangen seit diesen unbekümmerten und frohen Tagen.
Er wurde jäh aus seinen Gedanken gerissen, als der FleetCom - Kanal durch ein kurzes scharfes Knacken aktiviert wurde. „ Hier Stain Fleet Command – Patroullie A/6 Epsilon, erbitten Statusbericht!“ „Jaja“, dachte er griesgrämig, „ihr sitzt schön bequem in euren Büros und macht einen auf Admiral und wir können uns da draussen den Arsch wegschiessen lassen.“ Lichtschnell rasten Impulse durch seine Nervenleiterbahnen, aktivierten den codierten FleetCom Kanal, simultan initierte er einen Statusbericht über die bisherige Route und fügte noch Daten des abgeflogenen Raumsektors hinzu. „Hier Patroullie A/6-Epsilon – bin auf vorgegebenem Vektor, derzeit System 9RQ am Gate Richtung X1E! Keine Vorkommnisse!“ Emotionslos nahm der Funkoffizier im Fleet Headquarter die Meldung entgegen. Mit einem sonoren „Roger, over and out“ kappte er die Verbindung. Cassidy konnte noch das charakteristische Knacken hören, als der Offizier tausende von Lichtjahren entfernt die empfangenen Daten speicherte und dem strategischen Computersystem der Allianz beifügte.
Zornig, dass er nicht seine ganze Aufmerksamkeit der ihm übertragenen Aufgabe gewidmet hatte, initialisierte er einen schiffsinternen Diagnosecheck. Bruchteile von Sekunden später entstanden Tabellen und Graphen aller Bordsysteme vor seinem inneren Auge, wobei er natürlich schon vor Beendigung des Checks wusste, dass alle Systeme korrekt und normal arbeiteten. Sein brandneues Schiff war ein Meilenstein in der Schiffsbauindustrie und er hatte es voller Stolz im imperialen Hauptquartier seiner Corp in Lustrevik in Empfang genommen. Die Retribution, eine Entwicklung der Amarringenieure, aufgebaut auf dem Chassis einer Fregatte der Punisherklasse. Die Assaultfregatten waren technisches Neuland und jeder Pilot war stolz, so ein Schiff fliegen zu dürfen. Vollgestopft mit neuester Technologie waren es seltene und teure Schiffe, einzig dazu gebaut Tod und Vernichtung zu bringen. Den normalen Fregatten und Interceptoren in Feuerkraft und Panzerung weit überlegen, konnten diese Schiffe auch den stärksten Kreuzern gefährlich werden, und so mancher überhebliche Kreuzerkapitän hatte seine Fehleinschätzung mit dem Leben bezahlt. Die vier neuen Medium Beam Laser II waren eine Weiterentwicklung handelsüblicher Bordwaffen und jeder modifizierten Waffe überlegen. Die Servomotoren der Geschütze summten und die glühenden Abstrahlfelder an den Mündungen waren bereit vernichtendes Feuer zu speien. Die eingerasteten Multifrequenzlinsen versprachen zwar nicht gerade berauschende Reichweiten, doch erhöhten sie den Schadensoutput erheblich. Noch einmal kontrollierte Cassidy die Niedrigenergiemodule und widmete seine Aufmerksamkeit der Panzerungsreperatureinheit. Der Accomodation Vestment Constructor war eine weiterentwickelte Reparatureinheit, die Nanobots nutze, um Schäden an der Panzerung des Schiffes zu reparieren. Er zog dieses Modul dem Armorrepairer II vor, da es wesentlich weniger Belastung für das Bordnetz und den Hauptcomputer bedeutete.
„Zeit, meinen Arsch nach X1E zu bewegen“, dachte er und aktivierte den MWD. Mit flammenden Triebwerken raste das Schiff auf das Stargate zu. In wenigen Sekunden waren die zwanzig Kilometer überwunden, die er von seinem Beobachtungspunkt aus zurücklegen musste, um in Sprungdistanz zu kommen. Er dachte noch daran, wie gut jetzt eine Zigarette und eine Tasse Kaffee wären, als das Sprungtor aktiviert wurde. Der charakteristische weiße Lichtblitz zuckte über mehrere Kilometer, begleitet von einem dröhnenden Zischen, dass ihn an einen gewaltigen Mega Pulse Laser erinnerte. Beinahe hätte er seinen Navigationscomputer aktiviert und die Sprungsequenz eingeleitet, doch irgendetwas hielt ihn davon ab. Trügerische Ruhe breitete sich aus und außer dem Summen der Hochenergiefelder des Sprungtores war nichts wahrzunehmen. Alle Sinne auf die Ortungssysteme konzentriert, ahnte er, dass Gefahr drohte. Die Bestätigung folgte beinahe sofort, als die Scanner im lokalen Kanal Feindkontakt meldeten. Ein gelb markierter Pilot erschien und fast zeitgleich projizierte der Kurzstreckenscanner die Daten des Feindpiloten. Cassidy beschleunigte die Angriffsfregatte instinktiv, als die Signatur als Kreuzer der Rupture Klasse vom taktischen Computer identifiziert wurde. Cassidy öffnete augenblicklich einen Notkanal und forderte Unterstützung an. Die Kameradronen zoomten auf Maximaldistanz um ihm den notwendigen Überblick zu schaffen, während der Gefechtscomputer das Ziel automatisch aufschaltete, da der Kreuzerpilot bereits seinen Angriff eingeleitet hatte und die Retribution aufzuschalten begann. Fleet Command hatte wohl Hilfe zugesagt und einige Piloten aus umliegenden Systemen angefordert, doch er wusste, dass er diesen Kampf alleine durchzustehen hatte – denn jede Hilfe würde zu spät kommen – wenn sie überhaupt kommen würde.
„Omega Corp“, las Cassidy vom taktischen Display, „diese Typen sind wie die Schmeissfliegen – erschlage einen und zwei kommen nach…“. Er entschied sich für einen Frontalangriff, was seinem Schiff entgegenkam und raste mit 1700m/s auf den Kreuzer zu. Der CA war 23 km entfernt, seine Gedanken flogen und er musste rasend schnell Befehle an sein Schiff geben. Der Kreuzer beschleunigte ebenfalls und am Kurzstreckenscanner konnte Cassidy erkennen, dass der Omega Pilot ebenfalls sein Schiff beschleunigte und in einen Orbit einschwenkte. Er entschied sich ebenfalls für einen Orbit und befahl dem Navigationscomputer in einen 7,5 km Orbit einzuschwenken. Rasend schnell berechnete er die Entfernung und eröffnete das Feuer. Die Lasergeschütze schickten Lichtbahnen gegen die Schilde der Rupture und erzielten erste Treffer. Der Kreuzer benötigte einen Tick länger für die Zielaufschaltung, doch dann rasten 3 Heavy Missiles auf die Fregatte zu. „Auch das noch“, stieß er hervor, als er die lapidare Meldung erhielt, er sei gescrambelt worden. Die Geschütze der Retribution spien unermüdlich Lanzen aus purem Licht gegen den Kreuzer, dessen Schilde unerwartet schnell zusammenbrachen, wodurch die Laser Kerben in die Panzerung des Gegners schneiden konnten. Cassidy bereitete sich auf den Einschlag der Raketen vor, als diese immer näher kamen und der Curse Pilot bereits die nächste Salve abfeuerte. Mit ohrenbetäubendem Krachen detonierte die erste Rakete im Heck der Fregatte und riss diese kurzfristig aus der Bahn, ehe die Stabilisatoren aufheulten und das Schiff wieder auf Kurs brachten. Noch ehe der Explosionslärm verhallt war, schlugen die beiden anderen Raketen ein und schleuderten das Schiff wie einen Spielball herum. Schadensmeldungen rasten in langen Kolonnen über die Schiffsanzeigen und Cassidy aktivierte augenblicklich das Repairmodul. Der entstandene Schaden war geringer als angenommen, die hohen Resistenzen der Panzerung hatten den meisten Schaden der Kinetik Raketen absorbiert. „Dank an die Ingenieure“, atmete er auf und konzentrierte sich wieder voll auf den Gegner. Erst jetzt hörte er das typische Stakkato von Autokanonen, als der feindliche Kreuzer seine Projektilwaffen einsetzte. Mittlerweile war die Distanz auf unter 6 km gefallen, somit konnte der CA Pilot mit Treffern seiner 220 mm Vulcans rechnen. „Jetzt nur nicht noch näher kommen, sonst zersägt der mich mit seinen Phased Plasma Geschossen!“, schoss es ihm in den Sinn und er erweiterte den Orbit auf 10 km. Das Rapairmodul tat seine Arbeit und Cassidy entschied sich, es nicht abzuschalten, da ein kurzer Blick auf die Schiffsanzeigen genügte, um festzustellen, dass die Energie reichen würde, um die Waffen, den MWD und den Repper zumindest eine gewisse Zeit durchlaufen zu lassen. Die hohe Schussfrequenz, die Zielgenauigkeit und der Schadensoutput der Lasergeschütze hatte den Panzer der Ruptur auf 80% sinken lassen und anhand des taktischen Displays konnte er erkennen, dass der Gegner wohl kein Repairmodul an Bord hatte. Erst jetzt verfluchte Cassidy zum ersten Mal die Schiffskonstrukteure, da sie nur ein Mediumenergiemodul für den Einbau vorgesehen hatten und er somit keine Möglichkeit hatte, den Feind zu scramblen oder zu webben. Den Einschlag der zweiten Raketensalve erwartete er mit zusammengebissenen Zähnen, jedoch mit dem Wissen, dass der Schaden wohl genauso minimal ausfallen würde. Wieder detonierten die zielsuchenden Raketen am Heck der Fregatte und schleuderten diese so wild umher, dass er Mühe hatte, die Displays abzulesen. Offenbar hatte der Curse Pilot bemerkt, dass seine Missiles nicht den Schaden verursachten, den er erhofft hatte, und startete – wie von Cassidy nicht anders erwartet – seine Kampfdronen. Mittlerweile hatten die Vulcans das Feuer eingestellt, aus Munitionsmangel oder Zwecklosigkeit, Cassidy wusste es nicht. Es war ihm auch egal, denn jetzt musste er zusehen, den Dronen zu entkommen, die mit hoher Geschwindigkeit auf ihn zukamen und ihn wie ein Schwarm bösartiger Hornissen zu umkreisen versuchten. Er wusste, dass die Fregatte den Raketen wohl gewachsen war, jedoch befürchtete er, dass ihm durch ständiges Aktivieren der Reparatureinheit auf Grund des Dronenbeschusses sehr bald die Energie ausgehen würde – und das wäre der sichere Tod. Wieder aktivierte er das Fleet Com und jagte einen Statusbericht durch die Leitung. „Patroullie A/6-Epsilon, Hilfe ist unterwegs, 2 Interceptoren sind einen Sprung entfernt, ETA in 30 Sekunden!“, dröhnte es aus den Lautsprechern und Sekunden später wurde die Gangaufforderung angezeigt. Erleichtert bestätigte er und konnte nur hoffen, dass die Jäger schneller eintrafen, als seine Fregatte explodieren würde. Durch den Dronenbeschuss war er gezwungen den MWD abzustellen, da die Nanobots einfach auf die Dauer zuviel Energie fraßen und das bedeutete, dass die Rupture aufschliessen und ihm mit den 220mm Vulcans den Rest geben konnte. Die Panzerung der Fregatte war mittlerweile auf 30% gesunken und der Repairer konnte kaum die Zerstörung der Panzerung aufhalten, als zwei kleine Signaturen am Gate auftauchten und mit Höchstgeschwindigkeit auf den Kreuzer zuhielten. Im Nu war die Rupture gescrambelt und gewebbt, Bruchteile von Sekunden danach eröffneten beide Interceptoren das Feuer. Noch nie zuvor war Cassidy so froh, blaue Icons am Taktikdisplay zu sehen, wie in diesem Moment. Beide Jäger waren vom Typ Taranis, ausgezeichnete Nahkampfschiffe mit tötlichen Blastern bestückt. Die Rupture zerbarst binnen Sekunden in einem grellen Lichtblitz und im selben Moment war die Kapsel des Feindpiloten zu sehen. Cassidy und die beiden anderen Piloten versuchen, den Pod aufzuschalten, doch der Omega Pilot konnte sich durch einen Warpsprung in Sicherheit bringen und so dem Erwachen in einer Klonstation entgehen. Was übrigblieb war ein einsamer Container mit einigen Modulen und acht Dronen, die regungslos im All trieben.
„Hey, Cassidy! Wegen der Rupture mussten wir den weiten Weg von LGK raufmachen?“, höhnte es aus dem TakCom.
Cassidy grinste nur breit und freute sich auf seinen Kaffee und seine Zigarette in der Pleasurebar zu Hause in HM-UVD.

-End-


viribus unitis

Bumblebee - 20/10/2004 um 13:20

Nun ja, der Topic-Titel ist möglicherweise etwas hoch gegriffen...

aber soweit gar nicht so schlechter Stoff, weiter so ;)

Wotan - 20/10/2004 um 13:32

Sehr guter Story, macht weiter so !!!! :)

[Editiert am 25/10/2004 vonWotan]

donredhorse - 24/10/2004 um 22:31

Jo,

die Stories gefallen mir,hab jetzt erst Zeit dazu sie zu lesen.

Don

Darkness_Shadow - 24/10/2004 um 23:50

Hab ich vorher schon gelesen, doch jetzt erst geantwortet...sorry...

SUPER Story!

;)

Semporas - 25/10/2004 um 13:01

:D gefällt mir :D

Bekarie - 25/10/2004 um 20:15

und futsch war sie *G*
sehr gut!
kommt noch mehr?

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