Angeregt durch Bumbles literarische Ergüsse scheint mich ein Virus
infiziert zu haben, der mich dazu gezwungen hat, heut nachmittag eine
kleine Story aus dem Ärmel zu schütteln. Ich poste das, auch wenn ihr mich
dann in Reich-Ranitzky Manier vernichtet
Patroullienflug A/6-Epsilon
Die frühen Morgenstunden waren jedes Mal eine Qual, vor allem wenn wieder
einmal Routine angesagt war. Butch Cassidy blickte gelangweilt auf die
Statusanzeigen der Schiffstelemetrie – alle Systeme arbeiteten korrekt, wie
immer. Die Rezeptoren der Computer vermittelten ihm ein direktes Bild jedes
Schiffsmoduls und projizierten graphische Darstellungen von allen
relevanten Daten direkt in das Gehirn. So war es ihm möglich in nahezu
Lichtgeschwindigkeit über die Nervenleiterbahnen Steuerimpulse an das
Schiff weiterzugeben ohne auch nur einen Finger zu rühren.
Das war auch notwendig, denn in seiner mit Pneumo-Gel gefüllten Kapsel war
jede Bewegung ein Ding der Unmöglichkeit. Manchmal vermisste er die
Behaglichkeit seines Kapitänsstuhls auf der kleinen Brücke seiner alten
Imicus, die vor langer Zeit in einer grellen Explosion zerstört wurde. Eine
Tasse heißen Kaffee in der Hand, in den Asteroidengürteln von Luminaire.
Tagein tagaus hatte er Erze abgebaut und so einen bescheidenen Erfolg
erzielt, der sich durch die Anschaffung immer besserer Schiffe ausdrückte.
Es schien ihm, als seien Jahrzehnte vergangen seit diesen unbekümmerten und
frohen Tagen.
Er wurde jäh aus seinen Gedanken gerissen, als der FleetCom - Kanal durch
ein kurzes scharfes Knacken aktiviert wurde. „ Hier Stain Fleet Command –
Patroullie A/6 Epsilon, erbitten Statusbericht!“ „Jaja“, dachte er
griesgrämig, „ihr sitzt schön bequem in euren Büros und macht einen auf
Admiral und wir können uns da draussen den Arsch wegschiessen lassen.“
Lichtschnell rasten Impulse durch seine Nervenleiterbahnen, aktivierten den
codierten FleetCom Kanal, simultan initierte er einen Statusbericht über
die bisherige Route und fügte noch Daten des abgeflogenen Raumsektors
hinzu. „Hier Patroullie A/6-Epsilon – bin auf vorgegebenem Vektor, derzeit
System 9RQ am Gate Richtung X1E! Keine Vorkommnisse!“ Emotionslos nahm der
Funkoffizier im Fleet Headquarter die Meldung entgegen. Mit einem sonoren
„Roger, over and out“ kappte er die Verbindung. Cassidy konnte noch das
charakteristische Knacken hören, als der Offizier tausende von Lichtjahren
entfernt die empfangenen Daten speicherte und dem strategischen
Computersystem der Allianz beifügte.
Zornig, dass er nicht seine ganze Aufmerksamkeit der ihm übertragenen
Aufgabe gewidmet hatte, initialisierte er einen schiffsinternen
Diagnosecheck. Bruchteile von Sekunden später entstanden Tabellen und
Graphen aller Bordsysteme vor seinem inneren Auge, wobei er natürlich schon
vor Beendigung des Checks wusste, dass alle Systeme korrekt und normal
arbeiteten. Sein brandneues Schiff war ein Meilenstein in der
Schiffsbauindustrie und er hatte es voller Stolz im imperialen
Hauptquartier seiner Corp in Lustrevik in Empfang genommen. Die
Retribution, eine Entwicklung der Amarringenieure, aufgebaut auf dem
Chassis einer Fregatte der Punisherklasse. Die Assaultfregatten waren
technisches Neuland und jeder Pilot war stolz, so ein Schiff fliegen zu
dürfen. Vollgestopft mit neuester Technologie waren es seltene und teure
Schiffe, einzig dazu gebaut Tod und Vernichtung zu bringen. Den normalen
Fregatten und Interceptoren in Feuerkraft und Panzerung weit überlegen,
konnten diese Schiffe auch den stärksten Kreuzern gefährlich werden, und so
mancher überhebliche Kreuzerkapitän hatte seine Fehleinschätzung mit dem
Leben bezahlt. Die vier neuen Medium Beam Laser II waren eine
Weiterentwicklung handelsüblicher Bordwaffen und jeder modifizierten Waffe
überlegen. Die Servomotoren der Geschütze summten und die glühenden
Abstrahlfelder an den Mündungen waren bereit vernichtendes Feuer zu speien.
Die eingerasteten Multifrequenzlinsen versprachen zwar nicht gerade
berauschende Reichweiten, doch erhöhten sie den Schadensoutput erheblich.
Noch einmal kontrollierte Cassidy die Niedrigenergiemodule und widmete
seine Aufmerksamkeit der Panzerungsreperatureinheit. Der Accomodation
Vestment Constructor war eine weiterentwickelte Reparatureinheit, die
Nanobots nutze, um Schäden an der Panzerung des Schiffes zu reparieren. Er
zog dieses Modul dem Armorrepairer II vor, da es wesentlich weniger
Belastung für das Bordnetz und den Hauptcomputer bedeutete.
„Zeit, meinen Arsch nach X1E zu bewegen“, dachte er und aktivierte den MWD.
Mit flammenden Triebwerken raste das Schiff auf das Stargate zu. In wenigen
Sekunden waren die zwanzig Kilometer überwunden, die er von seinem
Beobachtungspunkt aus zurücklegen musste, um in Sprungdistanz zu kommen. Er
dachte noch daran, wie gut jetzt eine Zigarette und eine Tasse Kaffee
wären, als das Sprungtor aktiviert wurde. Der charakteristische weiße
Lichtblitz zuckte über mehrere Kilometer, begleitet von einem dröhnenden
Zischen, dass ihn an einen gewaltigen Mega Pulse Laser erinnerte. Beinahe
hätte er seinen Navigationscomputer aktiviert und die Sprungsequenz
eingeleitet, doch irgendetwas hielt ihn davon ab. Trügerische Ruhe breitete
sich aus und außer dem Summen der Hochenergiefelder des Sprungtores war
nichts wahrzunehmen. Alle Sinne auf die Ortungssysteme konzentriert, ahnte
er, dass Gefahr drohte. Die Bestätigung folgte beinahe sofort, als die
Scanner im lokalen Kanal Feindkontakt meldeten. Ein gelb markierter Pilot
erschien und fast zeitgleich projizierte der Kurzstreckenscanner die Daten
des Feindpiloten. Cassidy beschleunigte die Angriffsfregatte instinktiv,
als die Signatur als Kreuzer der Rupture Klasse vom taktischen Computer
identifiziert wurde. Cassidy öffnete augenblicklich einen Notkanal und
forderte Unterstützung an. Die Kameradronen zoomten auf Maximaldistanz um
ihm den notwendigen Überblick zu schaffen, während der Gefechtscomputer das
Ziel automatisch aufschaltete, da der Kreuzerpilot bereits seinen Angriff
eingeleitet hatte und die Retribution aufzuschalten begann. Fleet Command
hatte wohl Hilfe zugesagt und einige Piloten aus umliegenden Systemen
angefordert, doch er wusste, dass er diesen Kampf alleine durchzustehen
hatte – denn jede Hilfe würde zu spät kommen – wenn sie überhaupt kommen
würde.
„Omega Corp“, las Cassidy vom taktischen Display, „diese Typen sind wie die
Schmeissfliegen – erschlage einen und zwei kommen nach…“. Er entschied sich
für einen Frontalangriff, was seinem Schiff entgegenkam und raste mit
1700m/s auf den Kreuzer zu. Der CA war 23 km entfernt, seine Gedanken
flogen und er musste rasend schnell Befehle an sein Schiff geben. Der
Kreuzer beschleunigte ebenfalls und am Kurzstreckenscanner konnte Cassidy
erkennen, dass der Omega Pilot ebenfalls sein Schiff beschleunigte und in
einen Orbit einschwenkte. Er entschied sich ebenfalls für einen Orbit und
befahl dem Navigationscomputer in einen 7,5 km Orbit einzuschwenken. Rasend
schnell berechnete er die Entfernung und eröffnete das Feuer. Die
Lasergeschütze schickten Lichtbahnen gegen die Schilde der Rupture und
erzielten erste Treffer. Der Kreuzer benötigte einen Tick länger für die
Zielaufschaltung, doch dann rasten 3 Heavy Missiles auf die Fregatte zu.
„Auch das noch“, stieß er hervor, als er die lapidare Meldung erhielt, er
sei gescrambelt worden. Die Geschütze der Retribution spien unermüdlich
Lanzen aus purem Licht gegen den Kreuzer, dessen Schilde unerwartet schnell
zusammenbrachen, wodurch die Laser Kerben in die Panzerung des Gegners
schneiden konnten. Cassidy bereitete sich auf den Einschlag der Raketen
vor, als diese immer näher kamen und der Curse Pilot bereits die nächste
Salve abfeuerte. Mit ohrenbetäubendem Krachen detonierte die erste Rakete
im Heck der Fregatte und riss diese kurzfristig aus der Bahn, ehe die
Stabilisatoren aufheulten und das Schiff wieder auf Kurs brachten. Noch ehe
der Explosionslärm verhallt war, schlugen die beiden anderen Raketen ein
und schleuderten das Schiff wie einen Spielball herum. Schadensmeldungen
rasten in langen Kolonnen über die Schiffsanzeigen und Cassidy aktivierte
augenblicklich das Repairmodul. Der entstandene Schaden war geringer als
angenommen, die hohen Resistenzen der Panzerung hatten den meisten Schaden
der Kinetik Raketen absorbiert. „Dank an die Ingenieure“, atmete er auf und
konzentrierte sich wieder voll auf den Gegner. Erst jetzt hörte er das
typische Stakkato von Autokanonen, als der feindliche Kreuzer seine
Projektilwaffen einsetzte. Mittlerweile war die Distanz auf unter 6 km
gefallen, somit konnte der CA Pilot mit Treffern seiner 220 mm Vulcans
rechnen. „Jetzt nur nicht noch näher kommen, sonst zersägt der mich mit
seinen Phased Plasma Geschossen!“, schoss es ihm in den Sinn und er
erweiterte den Orbit auf 10 km. Das Rapairmodul tat seine Arbeit und
Cassidy entschied sich, es nicht abzuschalten, da ein kurzer Blick auf die
Schiffsanzeigen genügte, um festzustellen, dass die Energie reichen würde,
um die Waffen, den MWD und den Repper zumindest eine gewisse Zeit
durchlaufen zu lassen. Die hohe Schussfrequenz, die Zielgenauigkeit und der
Schadensoutput der Lasergeschütze hatte den Panzer der Ruptur auf 80%
sinken lassen und anhand des taktischen Displays konnte er erkennen, dass
der Gegner wohl kein Repairmodul an Bord hatte. Erst jetzt verfluchte
Cassidy zum ersten Mal die Schiffskonstrukteure, da sie nur ein
Mediumenergiemodul für den Einbau vorgesehen hatten und er somit keine
Möglichkeit hatte, den Feind zu scramblen oder zu webben. Den Einschlag der
zweiten Raketensalve erwartete er mit zusammengebissenen Zähnen, jedoch mit
dem Wissen, dass der Schaden wohl genauso minimal ausfallen würde. Wieder
detonierten die zielsuchenden Raketen am Heck der Fregatte und schleuderten
diese so wild umher, dass er Mühe hatte, die Displays abzulesen. Offenbar
hatte der Curse Pilot bemerkt, dass seine Missiles nicht den Schaden
verursachten, den er erhofft hatte, und startete – wie von Cassidy nicht
anders erwartet – seine Kampfdronen. Mittlerweile hatten die Vulcans das
Feuer eingestellt, aus Munitionsmangel oder Zwecklosigkeit, Cassidy wusste
es nicht. Es war ihm auch egal, denn jetzt musste er zusehen, den Dronen zu
entkommen, die mit hoher Geschwindigkeit auf ihn zukamen und ihn wie ein
Schwarm bösartiger Hornissen zu umkreisen versuchten. Er wusste, dass die
Fregatte den Raketen wohl gewachsen war, jedoch befürchtete er, dass ihm
durch ständiges Aktivieren der Reparatureinheit auf Grund des
Dronenbeschusses sehr bald die Energie ausgehen würde – und das wäre der
sichere Tod. Wieder aktivierte er das Fleet Com und jagte einen
Statusbericht durch die Leitung. „Patroullie A/6-Epsilon, Hilfe ist
unterwegs, 2 Interceptoren sind einen Sprung entfernt, ETA in 30
Sekunden!“, dröhnte es aus den Lautsprechern und Sekunden später wurde die
Gangaufforderung angezeigt. Erleichtert bestätigte er und konnte nur
hoffen, dass die Jäger schneller eintrafen, als seine Fregatte explodieren
würde. Durch den Dronenbeschuss war er gezwungen den MWD abzustellen, da
die Nanobots einfach auf die Dauer zuviel Energie fraßen und das bedeutete,
dass die Rupture aufschliessen und ihm mit den 220mm Vulcans den Rest geben
konnte. Die Panzerung der Fregatte war mittlerweile auf 30% gesunken und
der Repairer konnte kaum die Zerstörung der Panzerung aufhalten, als zwei
kleine Signaturen am Gate auftauchten und mit Höchstgeschwindigkeit auf den
Kreuzer zuhielten. Im Nu war die Rupture gescrambelt und gewebbt,
Bruchteile von Sekunden danach eröffneten beide Interceptoren das Feuer.
Noch nie zuvor war Cassidy so froh, blaue Icons am Taktikdisplay zu sehen,
wie in diesem Moment. Beide Jäger waren vom Typ Taranis, ausgezeichnete
Nahkampfschiffe mit tötlichen Blastern bestückt. Die Rupture zerbarst
binnen Sekunden in einem grellen Lichtblitz und im selben Moment war die
Kapsel des Feindpiloten zu sehen. Cassidy und die beiden anderen Piloten
versuchen, den Pod aufzuschalten, doch der Omega Pilot konnte sich durch
einen Warpsprung in Sicherheit bringen und so dem Erwachen in einer
Klonstation entgehen. Was übrigblieb war ein einsamer Container mit einigen
Modulen und acht Dronen, die regungslos im All trieben.
„Hey, Cassidy! Wegen der Rupture mussten wir den weiten Weg von LGK
raufmachen?“, höhnte es aus dem TakCom.
Cassidy grinste nur breit und freute sich auf seinen Kaffee und seine
Zigarette in der Pleasurebar zu Hause in HM-UVD.
-End-
viribus unitis
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